50-Millionen-Dollar-Sammelklage gegen Futtermittelhersteller Royal Canin

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Der Futtermittelhersteller Royal Canin wurde in Kanada auf 50 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt. Der Vorwurf: Das Hunde- und Katzenfutter von Royal Canin Canada Co. enthalte eine Überdosis Vitamin D, und habe dadurch Erkrankungen und Todesfälle hervorgerufen.

Die im März 2007 beim Ontario Superior Court eingereichte Sammelklage vertritt die Auffassung, Royal Canin habe gewusst oder hätte zumindest wissen müssen, dass hochdosiertes Vitamin D schwere Gesundheitsschäden verursachen könne. Zumindest 59 Produkte von Royal Canin seien betroffen.


Die Überdosierung (Hypervitaminose) von Vitamin D führt beim Menschen zu Hypercalcämie, Arteriosklerose und letztendlich zum Tod. Normale Nahrungsmittel und sogar Vitaminpillen enthalten Vitamin D jedoch nur in weitaus niedrigeren Konzentrationen als toxisch wirken könnten. Zu Gesundheitsschäden oder Todesfällen kommt es daher normalerweise nur in Verbindung mit Herstellungsfehlern und Industrieunfällen bei der Produktion.

Die aktuelle Sammelklage gegen Royal Canin wird vertreten von den Anwaltskanzleien Rochon Genova LLP und Himelfarb Proszanski LLP; angestrebt werden Schadensersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 50 Millionen kanadischen Dollar (ca. 32,4 Mio. Euro) für Kunden, die nach dem 1. August 2004 Hunde- oder Katzenfutter von Royal Canin gekauft hätten.

Keine der Anschuldigungen wurde bisher vor Gericht verhandelt. Royal Canin Canada weist auf der englischsprachigen Website die Anschuldigungen weit von sich; wahr sei lediglich, dass Anfang 2006 sieben Dosenfutter der Produktlinie "Canned Waltham Royal Canin Canada Veterinary dog and cat food" zurückgerufen und aus dem Handel genommen wurden, da sie erhöhte Anteile von Vitamin D3 enthalten hätten. Dieses könne "Appetitlosigkeit, Lethargie, starken Durst und verstärkten Harndrang" verursachen. Die erhöhten Vitamin D3-Konzentrationen seien auf einen Zulieferer zurückzuführen gewesen, den man mittlerweile gewechselt habe. Im März 2006 seien folgende sieben Produkte aus dem Handel genommen und vernichtet worden:

  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Canine LOW FAT LF canned,
  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Canine CALORIE CONTROL CC in gel canned,
  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Canine URINARY SO canned,
  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Feline SENSITIVITY VR canned,
  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Feline Sensitivity CR canned,
  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Feline CALORIE CONTROL CC canned,
  • ROYAL CANIN Veterinary Diet Feline RENAL LP pouch.

Als Reaktion auf die aktuelle Klage von März 2007 sei jedoch keine Rückrufaktion geplant.

Ob auch Produkte des deutschen Unternehmenszweiges ROYAL CANIN Tiernahrung GmbH & Co. KG von der Rückrufaktion Anfang 2006 betroffen waren, ist derzeit nicht bekannt.

Ebenfalls Mitte März 2007 wurde in den USA bekannt, dass 16 Katzen und Hunde nach dem Verzehr von Futtermitteln des amerikanischen Konzerns Menu Foods verendet seien; bei ersten Untersuchungen wurde das in den USA illegale Rattengift Aminopterin in den Futtermitteln nachgewiesen, das auch Ursache für den Tod der Haustiere gewesen sei; beim Verfüttern der betroffenen Futtermittel an rund 40 bis 50 Versuchstiere seien diese im Verhältnis 1:6 verstorben (insgesamt "ungefähr" sieben tote Katzen und/oder Hunde).

Der Hersteller rief 60 Millionen Packungen Futter zurück, eine 60-Millionen-US-Dollar Sammelklage (ca. 45,1 Mio. Euro) ist anhängig.

Nach Angaben des Toronto Star war das Futter sowohl unter den eigenen Markennamen als auch als Hausmarke von Handelsketten wie Wal-Mart, Kroger und Safeway in den Handel gekommen. Auch andere Hersteller wie Nestle Purina PetCare Co., Procter & Gamble und Hill's Pet Nutrition Inc. seien von Menu Foods als Vertragspartner beliefert worden. Nach eigenen Angaben produziert Menu Foods für 17 der 20 größten nordamerikanischen Retailer und und ist Zulieferer die bekanntesten Futtermittel-Marken.

USA Today berichtet, dass insgesamt 90 Produkte bzw. Marken betroffen seien und veröffentlichte ausführliche Listen:

Anfang März hatte der Tierfutterkonzern Masterfoods (Pedigree, Chappi, Sheba, Whiskas, Frolic) per einstweiliger Verfügung die Veröffentlichung des Buches "Katzen würden Mäuse kaufen - Schwarzbuch Tierfutter" des ehemaligen Spiegel-Redakteurs Hans-Ulrich Grimm verhindert. Der Wiener Zsolnay Verlag musste jegliche Werbung stoppen und die bereits ausgelieferten Exemplare des rund 200-seitigen Buches zurückordern.

Thomas Ludwig berichtete im Handelsblatt über das Buch, das es nicht geben darf; so habe Grimm in seinem Buch mit der Vorstellung aufräumen wollen, für Deutschlands Haustiere sei das beste gerade gut genug. Vielmehr werde Tierkörperbeseitigungsanlagen Tiermehl aus Schlachtabfällen und Kadavern gewonnen und diene als Rohstoff für die großen Hersteller von Heimtiernahrung. Erst Aromen, Geschmacksverstärker, Konservierungs- und Farbstoffe sowie andere Zutaten aus der Kunstnahrungshexenküche machten daraus ein Menü für Haus- und Nutztiere: "Schockierende Fakten, recherchiert bis ins Detail: die „kriminellen Machenschaften“ der „Tierfutter-Mafia“, ihre „fetten Gewinne“ und die „Verlierer“: „Tier und Mensch“", damit habe Grimm seinen Lesern "das Schmökern schmackhaft machen wollen", so Ludwig.

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