Wehe, wenn die Wildsau kommt

Die Deutsche Wildtier Stiftung rät: Ruhe bewahren und auf Distanz gehen

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Vor allem in den Randbezirken von Großstädten wie Berlin, München und Hamburg tauchen immer häufiger Wildschweine auf. Was sollen Menschen tun, wenn sie unerwartet im Garten, auf dem Spazierweg oder am Rand der Skipiste auf die Tiere treffen.

"Vor allem Ruhe bewahren und den geordneten Rückzug antreten", empfiehlt Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung.

Trotzdem ist jetzt besondere Vorsicht geboten.

"Die ersten Bachen haben ihre Frischlinge zur Welt gebracht", sagt Andreas Kinser. "Und zur Verteidigung ihres Nachwuchses drohen die Muttertiere allen, die den Frischlingen zu nahe kommen. Der Biss einer Bache kann dabei erhebliche Verletzungen hervorrufen."

Wildsauen sind "gute Mütter": Sie polstern für ihre Frischlinge das Lager, den so genannten Kessel, mit Gras, Farn und Zweigen zu einem warmen Nest aus. Hier verbringen die jungen Wildschweine die ersten zwei Wochen ihres Lebens. Gegen Feinde wie Füchse, aber auch gegenüber Menschen verteidigt die Bache ihren Nachwuchs energisch. Jetzt ist besondere Vorsicht geboten, denn Anfang März werden die meisten Frischlinge geboren.

"Wer beim Spaziergang einer Bache mit ihren Frischlingen begegnet, muss mit einen Angriff rechnen", warnt Kinser.

Generell gilt daher: Von Jungtieren fernhalten!

Kommt es doch zu einer Begegnung, unbedingt hektische Bewegungen vermeiden und sich langsam entfernen.

"Wenn Wildschweine bemerken, dass ihnen keine Gefahr droht, ziehen sie sich von selbst zurück", sagt der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. "Allerdings ist Vorsorge immer noch die beste Absicherung: Bleiben Sie unbedingt auf den Wegen und halten Sie vor allem Ihren Hund an der Leine!"

Durch geräuschvolles Ausatmen - der Jäger spricht von Blasen - warnen die Tiere eindrucksvoll.

"Manchmal laufen sie auch direkt auf den vermeintlichen Feind zu, um dann abrupt zu stoppen. Diese Scheinangriffe sollen Eindruck schinden", sagt Andreas Kinser.

In der ersten Zeit verlassen die Frischlinge ihr warmes Nest im Wurfkessel nicht.

"Sie sind empfindlich gegen Nässe und Kälte", sagt Kinser.

Drei bis vier Monate lang werden sie von der Bache gesäugt. Im Gegensatz zu Hausschweinen haben Wildschweine zehn Zitzen. Schon nach kurzer Zeit weiß jeder Frischling, wo sich "seine" Zitze befindet - der Experte spricht von Zitzentreue.

Erst im Alter von fünf Monaten verlieren die Frischlinge ihre Streifen. Dann leben mehrere Wildsauen mit ihrem Nachwuchs in Familienverbänden. Diese Rotten werden immer von einer Leitbache geführt. Einen alten Keiler wird man in einer Rotte nicht finden: Er ist ein Einzelgänger. Nur junge "Männer" dürfen im Familienverband bleiben, bis sie in ihrem zweiten Lebensjahr endgültig aus dem Familienverband vertrieben werden.

Dass immer mehr Wildschweine in die Städte vordringen, hängt mit dem Fehlverhalten der Menschen zusammen.

"Es ist völlig falsch, Schwarzwild zu füttern", mahnt Andreas Kinser. "Doch auch achtlos weggeworfener Müll, Kompost im Garten und volle Abfallkörbe am Straßenrand locken die Tiere in die Stadt."

Es ist auch für Wildschweine viel bequemer, im Wohlstandsmüll zu wühlen, als bei fester Schneedecke nach essbaren Wurzeln und Insekten zu graben.