Polarwolf

Systematik: 
Polarwolf

Der Polarwolf oder Weißwolf (Canis lupus arctos) ist wohl die am wenigsten bekannte Unterart des Wolfes (Canis lupus) und zählt auch zur Hundefamilie (Canidae). Da er in einer sehr unwirtlichen und menschenfeindlichen Gegend lebt, ist immer noch viel über sein Leben unerforscht.

Polarwölfe haben spezielle Anpassungsmerkmale, durch die sie sich von anderen Unterarten des Wolfes unterscheiden. So ist ihr besonders weiches, dichtes und langhaariges Fell fast weiß, schmutzigweiß bis cremeweiß (auf dem Rücken etwas dunkler) mit einzelnen grauen und schwarzen Haaren. Bei Fellen aus südlicheren Gegenden ist das Haar gräulich oder gelblich, teils blau mit deutlicher schwarzer Zeichnung. Der Bauch ist weiß.

Um den tiefen Temperaturen (bis -50 °C) Widerstand leisten zu können, sind die Ohren kleiner und rundlich, die Schnauze ist etwas kürzer und auch die Beine sind auffallend kurz. In der Körperform sind sie somit etwas gedrungener und wiegen um die 50 bis zu 80 kg. Das Stockmaß beträgt etwa 65 bis 80 cm. Die Weibchen sind kleiner und leichter. Die Körperlänge beträgt etwa 90 bis 150 cm vom Kopf bis zur Schwanzspitze.


Polarwölfe werden mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif; sie werfen meist fünf bis sechs Welpen. Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt etwa sieben Jahre.

Contents

Vorkommen

Polarwölfe leben auf den kanadischen Arktisinseln, von Melville Island bis Ellesmere Island, an der Nord- und der Ostküste Grönlands nördlich 68° n. B., aber nicht auf Dauereisschollen. Die Umgebung dort ist extrem rau, der eisig kalte Winter lang und dunkel, selbst die Inuit leben nicht mehr so weit nördlich.

[1]

Abbildung: Verbreitung des Polarwolfes

Verhalten

Die Solidarität in einem Rudel von Polarwölfen ist noch etwas besser ausgeprägt als in den Rudeln anderer Unterarten des Wolfes, ein einzelner Polarwolf könnte in dem rauen Klima nicht lange überleben. Die Anzahl der Individuen eines Rudels beträgt etwa sieben bis zehn, wegen ihrer starken Bindung zueinander können es aber auch manchmal bis zu 30 Individuen werden.

Ernährung

thumb|Polarwolf im Omega Park, Québec, Kanada Das Jagdgebiet der Polarwölfe erstreckt sich zumeist über 1.300 bis 1.600 km², für die Futtersuche legen sie täglich 30 km zurück. Sie jagen und fressen fast alles, was sie ausmachen können, von Wühlmäusen, Schneehasen und Lemmingen bis Rentieren und Moschusochsen. Auch Vögel werden gelegentlich gejagt. Meistens jagen sie kooperativ im Rudel zusammen, um größere Beutetiere erlegen zu können. Ein einzelner Polarwolf kann aber schon mit einem gezielten Nackenbiss ein ausgewachsenes Ren erlegen. Wegen ihrer weißen Fellfarbe sind sie im Schnee für Beutetiere nahezu unsichtbar. Das Überleben der Welpen hängt zum größten Teil vom Futter ab, da Nahrung aber in ihren Revieren rar ist, sterben schon viele Polarwölfe als Welpe - somit wird der Bestand durch das Nahrungsangebot kontrolliert.

Gefährdung und Schutz

Polarwölfe sind die einzige Unterart des Wolfes, die nicht bedroht ist. Ihr Verbreitungsgebiet ist wegen des sehr unwirtlichen Klimas vor menschlichen Aktivitäten relativ sicher, ob es nun um die Jagd oder um die Zerstörung deren Lebensraums geht. Einstmals jedoch wurden sie von Arbeitern auf Arktisbasen geschossen, wenn sie dort gesichtet wurden; jetzt werden sie in unbedenklicher Zahl noch von den Inuit erlegt, die die Felle verkaufen.

Literatur

Deutschsprachig:

  • Jim Brandenburg: Der weiße Wolf. Tecklenborg, Steinfurt 1998. ISBN 3-92404-439-2
  • Jim Brandenburg: White Wolf. Tecklenborg, Steinfurt 1998. ISBN 3-92404-439-2
  • Lucyan David Mech & Monika Thaler: Der weiße Wolf. Heyne, Frederking & Thaler, München 1990–2000. ISBN 3-89405-093-4
  • Lucyan David Mech & Monika Thaler: Auf der Fährte der Wölfe. Frederking & Thaler, München 1992. ISBN 3-89405-315-1

Englischsprachig:

  • L. David Mech (text), Jim Brandenburg (photos): At home with the arctic wolf, in: National Geographic, Vol. 171 No. 5 (May 1987), pp. 562-593
  • L. David Mech: The arctic wolf: 10 years with the pack. Voyageur Press 1997, ISBN 0-89658-353-8
  • Wolf Specialist Group (2004). Canis lupus. 2006 IUCN Red List of Threatened Species. IUCN 2006.
Synonymnamen
Synonymnamen: 
Weißwolf
Synonymnamen: 
Arctic Wolf (en)
Synonymnamen: 
Lobo Ártico (es)
Synonymnamen: 
Loup arctique (fr)
Synonymnamen: 
北極狼 (zh)
Synonymnamen: 
Polarvarg (sv)
Synonymnamen: 
Волк мелвильский остр (ru)
Synonymnamen: 
Arktisk ulv (no)
Synonymnamen: 
Wilk polarny (pl)
Synonymnamen: 
Poolwolf (nl)

Systematik

Trinomen: 
Canis lupus arctos
Erstbeschreibung (Person): 
Reginald Innes Pocock
Erstbeschreibung (Jahr): 
1928

Diagnose

Gewicht ♂ (min.): 
80 cm
Gewicht ♂ (max.): 
50 cm
Gewicht ♀ (min.): 
50 cm
Gewicht ♀ (max.): 
80 cm
Körperlänge ♂ (min.): 
65 cm
Körperlänge ♂ (max.): 
80 cm
Körperlänge ♀ (min.): 
65 cm
Körperlänge ♀ (max.): 
80 cm
Terrae typicae: 
Kanadischen Arktisinseln, von Melville Island bis Ellesmere Island, Nord- und der Ostküste Grönlands nördlich 68° n. B.
Gefährdung: 
Least Concern (LC)

Literatur

Image of Sierra, Bd.93, Der weiße Wolf
Autor: David L. Mech
Verlag: Sierra Taschenbuch ()
Einband: Taschenbuch, pages

Ähnliche Beiträge

Titel Typ
ReichmirdiePfote.de
Ernährung, Hundesport, Medizin, Online-Magazine, Urlaub und Reisen, Verhalten
Beitrag veröffentlicht vor vor 4 Jahre 43 Wochen
zuletzt bearbeitet vor 2 Jahre 7 Wochen
Ressource
L. David Mech und Luigi Boitani (Hrsg.): Wolves (2003/2007) –›Behavior, Ecology and Conservation‹
Artenschutz, Fachbuch, Ökologie, Populationsgenetik, Tierschutz, Verhalten
Beitrag veröffentlicht vor vor 4 Jahre 42 Wochen
zuletzt bearbeitet vor 2 Jahre 13 Wochen
Amazon
Susanne Reinerth: Natural Dog Food (2005) –Kurzbesprechung von Agon S. Buchholz für Encyclopædia Canidæ
BARF, Ernährung, Gesundheit, Nachschlagewerke
Beitrag veröffentlicht vor vor 5 Jahre 8 Wochen
zuletzt bearbeitet vor 2 Jahre 13 Wochen
Rezension
Einstweilige Verfügung gegen Schwarzbuch Tierfutter
Ernährung, Medium
Beitrag veröffentlicht vor vor 5 Jahre 12 Wochen
zuletzt bearbeitet vor 4 Jahre 4 Wochen
Artikel
Sabine L. Schäfer u.a.: B.A.R.F. - Artgerechte Rohernährung für Hunde. Ein praktischer Ratgeber (2005)
BARF, Bestseller, Ernährung, Ratgeber, Rohernährung, Sachbuch
Beitrag veröffentlicht vor vor 5 Jahre 8 Wochen
zuletzt bearbeitet vor 2 Jahre 20 Wochen
Amazon
Susanne Reinerth: Natural Dog Food (2005) –›Rohfütterung für Hunde - Ein praktischer Leitfaden‹
BARF, Bestseller, Ernährung, Ratgeber, Rohernährung, Sachbuch
Beitrag veröffentlicht vor vor 5 Jahre 8 Wochen
zuletzt bearbeitet vor 2 Jahre 13 Wochen
Publikation