Rezension zu Feddersen-Petersen: Hundepsychologie (1986/2004)
Kurzbesprechung zur 4., völlig neu bearbeiteten, erheblich erweiterten und neu bebilderten Auflage von Agon S. Buchholz für Encyclopædia Canidæ
Viele Hundebücher werfen bei akademisch vorgebildeten Lesern mehr Fragen auf als sie zu beantworten vermögen: Sie richten sich halt an ein Massenpublikum, sie wollen leicht lesbar und gut verkaufbar sein. Dazu müssen sie Argumentationen verkürzen, Probleme und Widersprüche übergehen und - vor allem - sie dürfen nicht zu anstrengend wirken.
Hundepsychologie von Dorit Urd Feddersen-Petersen richtet sich allerdings genau an jene Klientel, die es etwas genaur wissen möchte und die sich nicht mit einem 96-seitigen Ratgeber zu Hundeverhalten zufrieden geben.
Zur Buchgestaltung
Der materialreiche Band ist reich illustriert und durchgehend farbig bebildert; neben zahlreichen dokumentarischen Fotos finden sich auch diverse Tabellen, Diagramme und Sonogramme.
Die Struktur des Buches wirkt nicht ganz homogen, sondern ›gewachsen‹; grundsätzliche Analysen und die Diskussion von literarischen Befunden stehen neben empirischen Daten. Es verlangt dem Leser einiges ab, sich in der Materialfülle zu orientieren - was allerdings ein lohnended Unterfangen ist.
Zum Inhalt
Feddersen-Petersen diskutiert in ihrem 496-seitigem Band nicht nur ethologische Fragestellungen (Verhaltensentwicklung, Das Spielverhalten von Wölfen und Hunden, Zur Biolgie der Aggression, Schäferhunde und Wölfe - ein Verhaltensvergleich u.a.), sondern beschäftigt sich auch mit grundsätzlicheren Fragen wie der Abstammung des Haushundes vom Wolf, mit der Beziehung Wolf/Hund und Kojote/Schakal/Hund sowie ›Gehegewölfen‹.
Weitere spannende und kontroverse Kapitel beschäftigen sich mit ›tierischer Moral‹, mit dem Gefühlsleben und der Intelligenz von Hunden; von der caniden Emotialität schlägt Feddersen-Petersen eine Brücke zu Fragen des Tierschutzes, die auch in den folgenden Kapiteln zur Ausbildung von Hunden, zu Verhaltensstörungen und zur Aggressivität immer wieder aufgegriffen werden.
Das Buch wird abgeschlossen durch einen Glossar und ein umfangreiches Literaturverzeichnis.
Fazit
Wer etwas genauer wissen möchte, was es mit dem caniden Verhalten denn nun wirklich auf sich hat, wird um Feddersen-Petersen Buch kaum herumkommen. Wer jedoch nach praktischen Ratschlägen zur Korrektur von unerwünschten Verhaltensweisen des eigenen Hundes sucht, wird hier nur wenige konkrete Handlungsanweisungen finden.
Hundepsychologie ist ein grundleges Werk, das Hintergrundwissen vermittelt und ein tieferes Verständnis ermöglicht; zu den angesprochenen Themenbereichen werden nicht nur kenntnisreiche Einführungen geliefert, darüber hinaus problematisiert die Autorin auch widersprüchliche Forschungsbefunde und diskutiert immer wieder die verhaltensbiologische Fachliteratur.
Abschließend sei noch angemerkt, dass sich Feddersen-Petersens Hundepsychologie anscheinend recht gut verkauft: Nach der Erstauflage (1986) gab es Neuauflagen in den Jahren 2000 und 2004. Es mag also dahingestellt sein, ob die ›Hundemenschen‹ wirklich so bequem und lesefaul sind, wie es die Flut an verkürzenden und billigen Ratgebern vermuten lässt.
Bezugsmöglichkeit
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