Rezension zu Räber: Enzyklopädie der Rassehunde (1993/2005)

Kurzbesprechung zur Neuauflage aus dem Jahr 2005 von Agon S. Buchholz für Encyclopædia Canidæ

"Wer es größer, umfangreicher und zum gründlichen Studieren zu Hause wünscht, findet hier wirklich alles, was man über Hunderassen und Rassehunde wissen muss" - das zumindest verspricht der Kosmos-Verlag in seiner Ankündigung zur Neuauflage der zweibändigen Enzyklopädie der Rassehunde von Hans Räber.

Tatsächlich findet sich in den 1.680 Seiten (!) manche Anmerkung, für die man sonst eine spezielle Monografie für die jeweilige Rasse bemühen müsste. Und genau hier wird der Wert von Räbers Fleissarbeit deutlich: Nicht zu allen Rassehunden gibt es spezielle Literatur, im Räber stehen sie aber (fast) alle drin!

Buchgestaltung und Gliederung

Räbers Enzyklopädie besteht aus zwei großformatigen und gewichtigen (also unhandlichen) Bänden mit 768 und 912 Seiten. Bei der Struktur orientiert sich Räber nur grob an der umstrittenen Pseudosystematik des FCI:

  • Band 1: Bauern-, Hirten- und Treibhunde; Schäferhunde; doggenartige Hunde; pinscherartige Hunde; spitzartige Hunde; nordische Hunde; Schensihunde; Zwerghunde, Pudel, Dalmatiner;
  • Band 2: Terrier; Laufhunde; Vorstehhunde; Retriever; Wasserhunde; Windhunde.

Allerdings strukturiert Räber auch nicht konsequent nach Kriterien wie Nutzung und Verwendung; neuere Erkenntnisse zur Genealogie der Hunderassen, die aus der Gensequenzierung stammen, kann Räber noch nicht berücksichtigen, da sein Werk im Jahr 1993 angelegt wurde.

Die beiden Bände sind mit insgesamt 980 Schwarzweiß- und 1.402 Farbabbildungen illustriert; die Abbildungn zeigen sowohl lebende Exemplare in Fotografien wie auch historische Darstellungen aus Zeichnungen und Gemälden. Eine vergleichbar vielfältiges Bildmaterial gibt es in keiner vergleichbaren deutschsprachigen Publikation.

Die Binnenstruktur der Abschnitte zu den einzelnen Gruppen beginnt meist mit einem historischen Abriss, auf den Anmerkungen zu Nutzung und Verwendung folgen. Ausführlich wird dann der Beginn der Reinzucht erörtert - es handelt sich ja um eine Enzyklopädie der Rassehunde -, und abschließend folgt ein mehr oder minder aktueller Befund. Großes Interesse dürften dabei insbesondere die Vergleiche des heutigen Zuchttyps mit früheren Varianten finden (z.B. beim Bernhardiner oder beim Deutschen Schäferhund).

Beiden Bänden ist jeweils ein Literaturverzeichnis beigegeben (jeweils 20 Seiten); ein (Gesamt-) Register findet sich nur am Ende des zweiten Bandes (4 Seiten). Die Quellenangaben sind teilweise unbrauchbar, so beispielsweise:

Arrianus, F. Kynegetica. Um 130 n. Chr.

Es darf bezweifelt werden, dass der Journalist und Hundezüchter Räber jemals Zugang zu dieser "Ausgabe" - ein Manuskript in lateinischer Sprache der in hellenistischem Griechisch? oder nur ein abgeschriebener Querverweis aus einem anderen Literaturverzeichnis? - gehabt hätte. Es fragt sich auch, ob nicht vielleicht die Kynegetica von Oppianos (1. Hälfte 3. Jh. n. Chr.) gemeint ist bzw. warum dieses (wichtigere) Werk in den Literaturangaben fehlt. Ähnliches gilt auch für andere Literaturhinweise, die insbesondere bei älteren Quellen regelmäßig ins Leere laufen: Angaben wie "Gesner, C.: Thierbuch. 1563" sind wenig aussgekräftig, da sich die tatsächlich benutzte Ausgabe mit solchen "Belegen" nicht auffinden lassen wird.

Inhalt

Räber bemüht sich um eine sachliche, wertneutrale Darstellung; er versucht, auch eher ›exotischen‹ Rassen den ihnen gebührenden Platz zukommen zu lassen und nicht zu sehr nach eigenen Interessen und Vorlieben zu gewichten. Das gelingt mal besser und mal schlechter, und sicher spielt auch die Materiallage und eben der individuelle Wissensstand des (Einzel-) Autors eine Rolle.

Samoyedenhunde (bei Räber: Samojeden) sind unter Nordische Hunde einsortiert; Räber konstatiert: "Am längsten bei uns heimisch ist der Samojede". Obwohl dieser "während langer Zeit die einzige Schlittenhunderasse [war], die bei uns rein gezüchtet wurde" findet der Samoyedenhund nur wenig Interesse bei dem Reinzuchtexperten Räber. Die Darstellung beschränkt sich auf eine halbe Seite Text und genau ein Foto. Der Siberian Husky bekommt immerhin eine Doppelseite zugebilligt. Der Deutsche Schäferhund darf sich dagegen über 11 Seiten ausbreiten, eine ausführliche Darstellung des Züchtervereins eingeschlossen.

Fazit

Wer Detailinformationen zu einzelnen Hunderassen sucht, wird in Räbers Rassedarstellungen nicht immer fündig; der Nutzwert ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass es Übersichtsdarstellung schlichtweg zu allen Rassen gibt. In vielen Fällen finden sich Zusatzinformationen, die über die bloße Übersichtsdarstellung hinausreichen, sowie teilweise seltenes Bildmaterial.

Den Nachdruck kann man guten Gewissens als ausgesprochenes Schnäppchen bezeichnen: Die Originalausgabe aus den Jahren 1993 (Bd. 1) und 1995 (Bd. 2) kostete damals DM 198,- (Bd. 1) plus DM 224,- (Bd. 2), zusammen also über 400 DM, während man für die Neuauflage gerade mal hundert Euro bezahlen muß. Als Gegenwert erhält man zwei großformatige Bände mit einem Gesamtgewicht von über sieben Kilogramm. Empfehlung!

Bezugsmöglichkeit

Image of Enzyklopädie der Rassehunde: Ursprung. Geschichte. Zuchtziele. Eignung und Verwendung: 2 Bde.
Autor: Hans Räber
Verlag: Franckh-Kosmos Verlag (2001)
Einband: Gebundene Ausgabe, 1680 pages
9
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Eigene Bewertung: Keine

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