Rezension zu Scherf: Wolfsspuren in Bayern (2001)
Kurzbesprechung von Agon S. Buchholz für Encyclopædia Canidæ
Wolfsspuren in Bayern - Kulturgeschichte eines sagenhaften Tieres ist ein Sachbuch von Dr. Gertrud Scherf aus dem Jahr 2001; das Vorwort verfasste Erik Zimen.
Die Biologielehrerin Scherf erforscht einen speziellen Aspekt der Kulturgeschichte Bayerns: Sie verfolgt die Spuren des Wolfes, beginnend mit archäologischen Funden. Kenntnisreich spürt sie archäologische und kulturelle Zeugnisse auf wie Wolfsgruben, Flurdenkmäler und Darstellungen in der heimatkundlichen Literatur.
In einem reich bebilderten Kapitel untersucht sie Werke der bildenden Kunst und öffentliche Wappen; Wolfsspuren findet sie an Kirchenmauern, in Holzschnitten und Gemälden; nicht weniger als 25 Wappen zeigt sie, auf denen ein Wolf abgebildet.
In einem weiteren Kapitel spürt sie dem Wolf "in Sprache und Klängen" nach; hier weist sie nicht nur Vor- und Heiligennamen nach, sondern entdeckt auch eine Fülle von Familien-, Orts- und Flurnamen, deren Geschichte mit Wölfen oder Wolfsgeschichten in Verbindung steht.
Für misstraische Naturen verfügt der Band über einen ergänzenden Anmerkungsapparat (Endnoten) sowie eine Fülle von Literaturhinweisen.
Fazit
Der Band bietet ein bisher einzigartiges kulturgeschichtliches Panoptikum über die Wahnehmung und Behandlung des Canis lupus im Lauf der Jahrhunderte. Während der Schwerpunkt von Scherfs Arbeit eindeutig im Bereich der bajuwarischen Heimatkunde liegt, sind viele der Erkenntnisse und Feststellungen auch auf andere mitteleuropäische Regionen übertragbar - wenngleich ein derartig breit angelegtes Übersichtswerk derzeit noch ein Desiderat darstellt.
Das liebevoll bebilderte Werk stellt eine reichhaltige Fundgrube für jeden am Wolf interessierten Leser dar, sei es, dass der Verhaltensbiologe historische Hintergründe recherchiert oder der Laie verstehen möchte, warum dieser Beutegreifer so gnadenlos ausgerottet wurde. Aufgrund der immensen Rechercheleistung und des sich daruas ergebenden Erkenntnisgewinns können wir Gertrud Scherfs Buch uneingeschränkt empfehlen.
Bezugsmöglichkeit
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